Am Anfang die Privatinitiative. Man muss sich das kurz vorstellen: 1900 ist Elektrizität ...
Bortelsee
Der lange Weg zum Kraftwerk Bortel
Manchmal entstehen die wichtigsten Projekte nicht aus Sicherheit, sondern aus Mut – und aus der Bereitschaft, Verantwortung weit über den Moment hinaus zu übernehmen.
Als 1941 die Nutzungsrechte des Ganterbaches, der Taferna und der Saltina verliehen wurden, war eines klar: Der Winter würde für die Energieversorgung der Region zur dauerhaften Herausforderung werden. Statt sich mit dem Naheliegenden zufriedenzugeben, dachten die Verantwortlichen weiter – unternehmerisch, strategisch und mit Blick auf eine verlässliche Energiezukunft.
„Viele der damaligen Entscheide wirken heute visionär - gerade weil sie auf Speicherfähigkeit und Winterstrom setzten."
Kein Sprint. Ein langer Atem.
Der Weg dorthin war jedoch alles andere als geradlinig. Über Jahrzehnte hinweg wurden Projekte geprüft, Partnerschaften aufgebaut – und wieder verworfen. Geologische Schwierigkeiten, komplexe Konzessionsfragen und wechselnde Rahmenbedingungen zeigten: Grosse Energieprojekte im alpinen Raum brauchen Zeit. Gerade diese Erfahrungen führten zur Erkenntnis, dass eine eigenständige Energieversorgung nur gemeinsam gelingt – zusammen mit den Aktionären und Konzessionsgemeinden der Region.
Bauen – mit Respekt vor der Landschaft
Der Bau des Kraftwerks Bortel wurde zu einer logistischen Herausforderung – mitten im alpinen Raum. Weit verstreute Anlagen, steiles Gelände und lange Winter verlangten Lösungen mit Augenmass. Bewusst verzichtete man auf unnötige Eingriffe: Baustellen wurden über Seilbahnen erschlossen, Material gezielt transportiert, die Landschaft respektiert. Getragen wurde dieses Projekt von Menschen mit Expertenwissen, Ausdauer – und einer spürbaren Leidenschaft für die Energieversorgung ihrer Region. So wurde aus dem Bauprojekt auch regionale Wertschöpfung – sichtbar in Arbeit, Knowhow und Aufträgen vor Ort.
Frühe Bewährungsprobe
Nach vier Jahren intensiver Bauzeit ging das Kraftwerk Bortel Anfang der 1990erJahre in Betrieb. Doch schon im ersten Betriebsjahr machte ein Schaden in einem Stollen eine vollständige Entleerung des Sees notwendig. Ein Rückschlag – und eine Bewährungsprobe. Entscheidend war der Umgang damit: analysieren, sanieren, lernen. Noch im selben Jahr nahm die Anlage den regulären Betrieb wieder auf.
Bortel tat fortan das, wofür es gebaut wurde: Es liefert dann Energie, wenn sie am dringendsten gebraucht wird.
Der Entscheid, der zählte
Kraftwerk Bortel
In den späten 1980er Jahren traf man im Oberwallis einen Entscheid aus Überzeugung: für Winterstrom, Speicherfähigkeit und regionale Eigenständigkeit. Getragen von Menschen mit tiefem Expertenwissen, viel praktischem Know-how und einer grossen Leidenschaft für die Energieversorgung ihrer Region entstand das Kraftwerk Bortel – mit Respekt vor der alpinen Landschaft und mit Wertschöpfung vor Ort. Eine Entscheidung mit Weitsicht, deren Wirkung bis heute anhält.
- Verschiedene Standorte: Bortelalp / Gantertal
- Eigentümer / Betreiber: EnBAG Bortel AG
- Anlagentyp: Zweistüfiges Wasserkfraftwerk mit Speicher- und Pumpspeicherstufe
- Kopfspeicher: Bortelsee auf rund 2'460 m u.M.
- Pumpspeicherstufe: Zentrale Bortelalp
- Speicher-/Laufstufe: Zentrale Ganterbrücke
- Stromerzeugung aus Wasserkraft: Pelton-Turbinen
- Einzugsgebiet: Ganterbach, Schiessbach, Steinubach
- Systemrelevanz: Winter- und Spitzenergieproduktion; Merhfachnutzung des Utnerwassers
- Regional Bedeutung: Arbeitsplätze; erneuerbare Stromproduktion aus einheimischer Wasserkfraft; Versorgungssicherheit im Oberwallis
Facts & Figures
Kraftwerk Bortel
- Speicherinhalt Bortelsee (Mio. m³): 3.6
- sehr hohe Energieausbeute (kWh / m³): 3.5
- Turbinenleistung (MW): 7.36
- Pumpleistung (MW): rund 2.8
- Jahresproduktion (GWh): 30
- Beginn Bau: 1986
- Inbetriebnahme: 1990
Mut & Neugierde
Die Anforderungen an die Energiewirtschaft sind heute hoch. Schwankende Preise, wetterabhängige Produktion und unsichere Rahmenbedingungen verlangen nach aktiver Steuerung. Versorgungssicherheit entsteht nicht zufällig – sie ist das Resultat kluger Planung und konsequenter Umsetzung.
Beschaffung mit Balance
Die EnBAG setzt auf eine ausgewogene Beschaffungsstrategie: eine Kombination aus langfristigen Verträgen, lokaler Produktion und flexibler Vermarktung. Diese Mischung reduziert Abhängigkeiten, glättet Schwankungen und schafft Planungssicherheit.
Lokale Produktion als Anker
In diesem System spielt lokale Erzeugung eine zentrale Rolle. Sie bringt Nähe zur Versorgung und wirkt besonders im Winter stabilisierend. Anlagen wie Bortel entfalten ihre Wirkung nicht durch Masse, sondern durch den richtigen Einsatz zur richtigen Zeit.
Regionale Verantwortung – konkret gelebt
Energieversorgung ist keine abstrakte Marktfrage, sondern wirkt direkt auf Haushalte, Betriebe und Gemeinden. Bortel steht beispielhaft für einen Ansatz, der langfristige Stabilität über kurzfristige Effekte stellt – und Verantwortung als Teil der täglich gelebten Aufgabe versteht
Warum Bortel heute zählt
Ein Kraftwerk im Takt der Zeit
Die Energiewelt hat sich grundlegend verändert. Produktion ist stärker vom Wetter abhängig, Märkte reagieren volatiler, Unsicherheiten wirken schneller auf Preise und Versorgungssicherheit. Energie ist heute nicht mehr selbstverständlich – sie muss geplant, gesteuert und abgesichert werden. Genau in diesem Umfeld entfaltet das Kraftwerk Bortel seine besondere Bedeutung.
Nicht nur Strom – sondern Spielraum
Bortel ist mehr als ein Produktionsstandort. Seine Stärke liegt in der Fähigkeit, Energie zeitlich zu verschieben. Genau diese Speicher- und Pumpfähigkeit macht die Anlage so wertvoll: Sie schafft Stabilität in Momenten, in denen das System unter Druck gerät.
Flexibilität – ganz einfach
Flexibilität klingt abstrakt – ist im Kern aber simpel: Wenn im Sommer mehr Strom da ist, als gebraucht wird, wird Wasser nach oben gepumpt. Im Winter, wenn Strom knapp ist, wird genau dieses Wasser wieder turbiniert. Überschüsse gehen nicht verloren, sondern werden gezielt nutzbar gemacht.
Wenn Preise Signale senden
Damit Flexibilität wirksam wird, braucht es Signale. Dynamische Preise zeigen, wann Strom reichlich vorhanden ist – und wann er knapp wird. Das Prinzip kennt man aus dem Alltag: Wer dann nutzt oder speichert, wenn es sinnvoll ist, entlastet das System. Für Bortel heisst das: Energie wird nicht zufällig eingesetzt, sondern gezielt – dort, wo sie den grössten Nutzen hat.
Vergangenheit, die heute arbeitet
Bortel verbindet Geschichte und Gegenwart. Ein Projekt, das aus Weitsicht entstanden ist – und heute hilft, ein immer komplexeres Energiesystem stabil zu halten.
Was bleibt: eine Haltung
Ein Werk, das dann wirkt, wenn es zählt
Rückblickend steht Bortel auch für den Pioniergeist, der die EnBAG seit ihren Anfängen prägt: pragmatisch, mutig und immer mit Blick auf die Region. Eine Haltung, die nicht auf schnelle Effekte zielt, sondern auf Lösungen mit Bestand.
"Für die EnBAG ist das Kraftwerk Bortel heute eine besondere Anlage - fachlich wie emotional. Eine Perle, nicht wegen ihrer Grösse, sondern wegen ihrer Wirkung: verlässlich, flexibel und tief in der Region verankert."
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Zahlen & Fakten
Zahlen zeigen, was Menschen und Region bewegt.












